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Wurster Land

Wattenmeer und Salzwiesen, Sandstrände und Seeklima, Küstenflair und Kulturschätze, Kutterhäfen und Leuchttürme – das Land Wursten hat Touristen viel zu bieten. Die beliebte Ferienregion liegt im niedersächsischen Elbe-Weser-Dreieck zwischen Bremerhaven und Cuxhaven und erstreckt sich entlang der Nordsee oberhalb der Wesermündung. Im weiten Wursten zwischen Meer und Marsch grüßen sich die Menschen nach Landessitte mit „Moin“ – nicht nur morgens.

Land Wursten heißt nicht nur die historische Landschaft, die ursprünglich von den Altsachsen besiedelt wurde, später auch von Friesen und Wikingern. Es ist auch die Bezeichnung der seit 1974 bestehenden Samtgemeinde mit Sitz in Dorum. Die Tage dieses Konstrukts im Landkreis Cuxhaven sind allerdings gezählt. Mit dem Jahreswechsel 2014/2015 erfolgt die Fusion mit der Gemeinde Nordholz, und die bisherige Samtgemeinde wird der Vergangenheit angehören. An ihre Stelle tritt die neue Einheitsgemeinde Wurster Nordseeküste. Neben Nordholz und Dorum werden dazu unter anderem Wremen, Midlum und Spieka-Neufeld gehören.

Kurverwaltung am Dorumer Kutterhafen

Für Urlauber sind die verwaltungspolitischen und -technischen Hintergründe ohnehin nicht von Belang. Ihre Ansprechpartner sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kurverwaltung, die sich am Kutterhafen in Dorum-Neufeld befindet. Dieser Eigenbetrieb der Samtgemeinde trägt ohnehin schon den werbewirksamen Begriff Wurster Nordseeküste im Namen. Hier laufen in puncto Ferien alle Fäden zusammen und erfährt der Gast alles, was er wissen möchte oder muss: Von A wie Anruf-Sammeltaxi bis Z wie Zahnarzt, wenn es mal nicht anders geht.

Wer das Wurster Land besucht, wird vergeblich einen Hinweis darauf suchen, dass es hier sprichwörtlich immer um die Wurst geht oder den Einwohnern alles Wurst/Wurscht ist, also einerlei. Sie sind auch kein Völkchen beleidigter Leberwürste, und Europas neuer Gesangsstar Conchita Wurst hat ihre Wurzeln ganz woanders. Der uralte niederdeutsche Name leitet sich vielmehr von „Wurt“ bzw. „Warft“ ab. Als Wurten werden die aufgeschütteten, wie Inseln wirkenden Erdhügel bezeichnet, auf denen in früheren Zeiten die Häuser errichtet wurden. Die erhöhte Lage sollte Menschen und Tiere vor dem unablässig drohenden Hochwasser und den Sturmfluten schützen. Erste Deiche wurden erst im Mittelalter erbaut.

Reizklima lindert allerlei Beschwerden

Damals wie heute ist das Klima eine Konstante. Das Zusammenspiel von Sonne, Salzwasser und Wind bewirkt das für die Nordsee so typische, häufig raue Reizklima. Es gilt als gesundheitsfördernd und kann zum Beispiel bei chronischer Bronchitis oder Asthma die Beschwerden lindern. Regelrecht verordnet wird das (rezeptfreie) Reizklima nicht nur bei allergischen Atemwegserkrankungen, sondern auch bei strapazierter Haut, etwa Neurodermitis oder Schuppenflechte. Abhärtende und wohltuende Meeresluft lässt sich am besten bei Spaziergängen am Strand schnuppern. Am höchsten ist der Salzgehalt der Luft in der Brandungszone.

Beim Thema Nordseeurlaub, zumal mit Kindern, fällt unweigerlich das Stichwort Strand. Im Wurster Land mangelt es nicht an weitgehend naturbelassenen Küstenabschnitten, die zum Sonnenbaden, Bauen von Sandburgen, Spielen und Faulenzen einladen. Unmittelbar am Wattenmeer gelegen, wartet Wursten darüber hinaus mit einigen gepflegten Grünständen auf, die auch bei Tagesgästen und Landbewohnern beliebt sind. Die berühmten Spuren im Sand kann der Urlauber hier zwar nicht hinterlassen. Doch dafür nerven nachher nicht hartnäckige Hinterlassenschaften des Sandstrands in Haut- und Kleidungsfalten.

Wurster Land

Wurster Land ©iStockphoto/MikeEntertainment

Familienfreundlich und ein Paradies für Kinder sind alle kultivierten Strandbereiche. In Dorum-Neufeld haben sogar Hunde Zutritt, allerdings nicht unbegrenzt und ohne Aufsicht. Für Vierbeiner gibt es ein abgetrenntes Terrain – spezielle Sanitäranlagen eingeschlossen.

Große Wasserrutsche und kleines Kinderbecken

Am Strand des Ortes Wremen, der das Prädikat „Nordseebad“ im Namen führen darf, bleiben Hunde dagegen ausnahmslos außen vor. Dafür kann von einem Paradebeispiel für einen rundum urlaubstauglichen Strand gesprochen werden. Das Wasser ist vergleichsweise seicht, so dass sich auch die Lütten darin tummeln können. Für die jüngsten Feriengäste steht aber auch ein Kinderplanschbecken zur Verfügung. Buntes Highlight ist die Großwasserrutsche, deren überdachte Bahn sich um den Strandturm windet. Stilecht logieren Urlauber natürlich in einem der herrlich altmodischen Strandkörbe. Sie prägen das klassische Strandbild und bieten auch einen windgeschützten Rückzugsort für diejenigen, die von der würzigen Seeluft schon tagsüber müde werden – oder sich vom Nachtleben erholen müssen.

Der Grünstrand in Cappel-Neufeld bezieht einen zusätzlichen Reiz aus der Erlaubnis, hier auch gänzlich unbekleidet Meerwasser- und Sonnenbäder nehmen zu dürfen
Wem also spärliches Badezeug noch immer zu viel Stoff am lufthungrigen Leib ist, sucht sich ein Plätzchen am FKK-Strand. Gleich daneben liegt der Bereich für Besucher, die der Freikörperkultur nichts abgewinnen können. Weil Ordnung nun mal sein muss, gibt es separate Stege, Spielplätze, Campinganlagen… Jeder nach seiner Fasson!

Erfrischendes Quellwasser-Freibad in Midlum

Kennt sich ein Nordsee-Neuling nicht mit Ebbe und Flut aus, kann es ihm passieren, dass er sehnsuchtsvoll am Strand steht und das Wasser – weit, weit weg ist. Abwarten und vielleicht einen Blick in den Tidenkalender werfen, der auch für einzelne Orte erhältlich ist. Muss das Verlangen nach erfrischenden Fluten umgehend gestillt werden, empfiehlt das Aufsuchen einer Einrichtung, die einst als Badeanstalt bezeichnet wurde. Zur Wahl stehen das Watt`n Bad in Dorum-Neufeld und das Quellwasser-Freibad in Midlum.

Aus dem ehemaligen Schwefelsolebad in Dorum ist das Watt`n Bad geworden, das keine Wünsche offen lassen dürfte: Brodelbucht mit Meeresblick, beheiztes Hallenbecken, Wellenfreibad mit Unterwasserliegen und manches mehr machen das Bad am Meer zu einem Eldorado für Wasserratten mit unterschiedlichsten Vorlieben. Ohne viel Schnickschnack kommt das Quellwasser-Freibad im Dorf Midlum aus. Gerade an heißen Sommertagen ist es ein „cooler“ Spaß, ins kühle Nass zu springen und anschließend dem gemächlichen Bade- und Spielbetrieb zuzusehen.

Wattenmeer ist UNESCO-Weltnaturerbe

Das offiziell geschützte Wattenmeer ist an der Wurster Nordseeküste ein großes Thema. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wurde 1986 gegründet. Er gehört zum deutsch-niederländischen Wattenmeer, das 2009 als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt wurde. Die Bedeutung des weltweit einzigartigen Lebensraums für unzählige Vögel, Fische und andere Tiere erschließt bei einem Besuch des Nationalpark-Hauses in Dorum-Neufeld. Der Weg dorthin führt über den Deich und vorbei an einem Salzwiesen-Biotop. Dann geht es hinauf auf eine Wurt. Die neu konzipierte Dauerausstellung liefert mit moderner Medientechnik eine Fülle von Informationen. Lehrreiche Hingucker sind die vielen Meereslebewesen, die in riesigen Aquarien ihr Quartier gefunden haben, darunter Seeigel, Nagelrochen und ein weiblicher Einsiedlerkrebs namens Gabi.

Buchstäblich hautnah ist das Biosphärenreservat bei einer geführten Wattwanderung zu erleben. Das Team des Nationalpark-Hauses organisiert Touren für Erwachsene und Kinder. Eine Wanderung kann von Dorum, Wremen oder Cuxhaven aus unternommen werden. Für Menschen mit Gehbehinderung wird ein sogenanntes Wattmobil bereitgehalten. Auch die Salzwiesen sind eine Erkundung wert, besonders während des Vogelzugs. Viel Wissenswertes über das Watt vermittelt zudem „WattWiki“, ein Projekt der Nordsee GmbH. Die Internet-Datenbank enthält auch Beiträge über Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem Wattenmeer zu tun haben, so ein Seehundbeauftragter und eine Segelmacherin.

Muschelmuseum mit mehr als 3000 Exponaten

Viel Interessantes zu maritimen Themen bieten auch die Museen in der Region. Das Deichmuseum Land Wursten in Dorum dokumentiert den Deichbau, den Küstenschutz und den stetigen Kampf der Menschen gegen die Naturgewalten. In Nordholz befindet sich das barrierefrei gestaltete Marineflieger- und Luftschiffmuseum „Aeronauticum“. Eine kuriose kleine Schatzkiste mit Unterhaltungswert stellt das Muschelmuseum in Wremen dar. Über 3000 Muscheln und Schneckengehäuse verschiedenster Formen, Farben und Musterung sind auf engstem Raum zu bewundern – das Resultat unerschöpflicher Sammelleidenschaft. In Wremen befindet sich auch das Museum für Wattenfischerei. Es wurde in einem der ältesten Häuser des alten Fischerortes eingerichtet, gleich neben der über 800 Jahre alten Wurtenkirche.

Fischkutter haben noch keineswegs ausgedient. Davon können sich die Besucher in den Kutterhäfen Dorum-Neufeld und Wremen überzeugen. Ihre Fanggebiete sind die Außenweser und die Deutsche Bucht. Etliche Kutter kehren täglich mit köstlicher Fracht an ihre Liegeplätze zurück: Frischer können Nordseekrabben nicht sein! In der Gegend werden ungeschälte (besser: ungepulte) Krabben meistens Granat genannt. Bei Familie Kocken in Spieka-Neufeld kann die erste Krabbenpulmaschine ihrer Art in Augenschein genommen werden.

Regionale Speisespezialität Röhrkohl

Da lässt der Appetit nicht lange auf sich warten. Fisch und Meeresfrüchte kommen in zahlreichen Gastronomiebetrieben auf den Tisch. Den Touristen schmecken auch andere regionale Spezialitäten, süß oder pikant, aus Küchen und Backstuben. Zu den besonderen Leckereien gehört der Wurster Kringel, ein fein gewürztes Hefegebäck, das nur mit Butter verspeist wird oder noch mit Mettwurst obendrauf. Um ein ebenso seltenes wie seltsames Kraut handelt es sich beim Röhrkohl. Die wie starker Schnittlauch aussehende Gemüsepflanze wächst im Wattenmeer und darf nur von Einheimischen geerntet werden. Zubereitet und serviert wird die kulinarische Rarität ausschließlich im Restaurant Wolters in Wremen.

Heiraten in der Midlumer Windmühle

Mit dem Fahrrad kommen bewegungsfreudige Feriengäste im Wurster Land gut voran. Es sind diverse Routen an der Küste und im Landesinneren ausgewiesen, die auch individuell gestaltet werden können. Passionierte Pedaltreter werden auch den Nordseeküsten-Radweg schätzen. Ein lohnenswerte Ziel ist die 1857 erbaute und bis 1992 genutzte Windmühle in Midlum, ein Galerie-Holländer. Das imposante Gebäude dient inzwischen sogar als Filiale des Standesamtes der Samtgemeinde. Hier kann in historisch-romantischem Ambiente geheiratet werden. Kostenlose Besichtigungen sind an den Mühlentagen möglich. Brot und Butterkuchen werden dann top-frisch aus dem Backhaus geholt und gehen weg wie die berühmten warmen Semmeln.

Das Ja-Wort geben können sich Paare auch auf dem Leuchtturm Obereversand, dem fast 38 Meter hohen Wahrzeichen Dorums an der Hafeneinfahrt. Von der oberen Galerie aus eröffnet sich ein faszinierender Blick auf das Wattenmeer bis zur Insel Neuwerk. Im Denkmalturm selbst wird die einsame, harte Arbeits- und Lebenswelt eines Leuchtturmwärters im späten 19. Jahrhundert dargestellt. Als Seezeichen ausgedient hat auch der „Kleine Preuße“ in Wremen. Der Nachbau des nur zehn Meter hohen, schwarz-weißen Türmchens ist ebenfalls eine Touristenattraktion.

(Viele weitere Informationen, auch zu Veranstaltungen vor, während und nach der Hauptsaison sowie Unterkünften und Anlaufstellen für Feriengäste, gibt es im Internet unter www.wursternordseekueste.de.)

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