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Potsdam – ein Juwel in exklusiver Havellage

Viel Schatten gibt es nicht, auf dem etwa 70 km langen Wegen in dem Anfang des 19. Jahrhunderts von Peter Joseph Lenné gestalteten Landschaftspark Sanssouci. Für einen Sommersitz von Königen und Kaisern hätte man sich das wünschen können, aber vielleicht gingen die Majestäten ja nicht zu Fuß über ihr 290 Hektar großes Anwesen und die Dienstboten waren mit Sonnenschirmen stets parat. So treibt den sommerlichen Besucher nur die Neugier auf die fantastischen, weit verstreuten Bauten, wie Schloss Charlottenhof mit seinem intimen Charme, das Neue Palais mit den zauberhaften Kandelabern und der reich verzierten Fassade mit über 400 Göttergestalten, die Orangerie oder das Chinesische Teehaus mit seinem goldenen Pomp, den kostbaren Porzellan-Sammlungen und nicht zuletzt Schloss Sanssouci mit seinen Weinhängen, über das weitläufige Gelände, denn auch auf Erfrischungen am Wegesrand darf er nicht hoffen.

Hier klafft eine echte Marktlücke! Wie dem auch sei, der Blick auf so viel Pracht entschädigt natürlich für vieles und es ist schon ganz erstaunlich, was aus dem „Weinberghäuschen“, wie Friedrich der Große seine Sommerresidenz einst liebevoll nannte, im Laufe der Zeit geworden ist. Ständige Begleiter auf allen Wegen sind zahlreiche Marmorfiguren aus der antiken Mythologie, auch rund um die eindrucksvolle Wasserfontäne unterhalb der Weinbergterrassen, die Friedrich der Große leider nicht mehr zu sehen bekam. Erst 1842 gelang es mittels Dampfkraft die Fontäne zu betreiben. Hierzu wurde an der Havelbucht eine Pumpstation installiert, das „Dampfmaschinenhaus“. In seiner Bauweise als Moschee mit Minarett als Schornstein, wirkt es ziemlich exotisch mitten in Potsdam.

Damit nicht genug, bietet Potsdam im Neuen Garten noch Schloss Cecilienhof, welches 1945 durch die Potsdamer Konferenz zu weltweiter Berühmtheit gelangte und das Marmorpalais sowie im Park Babelsberg das gleichnamige Schloss, entworfen für Kaiser Wilhelm I. Große Architektennamen stehen für die verschiedenen Potsdamer Ensembles: Schinkel, Persius, Unger und auch Knobelsdorff. Auch in der Potsdamer Innenstadt – ein beschauliches Shopping-Paradies mit vielen kleinen Geschäften, zum Teil in alten, sanierten Häuschen, begegnet man den Bauwerken der Star-Architekten. Die City wird geprägt von drei großen Toren, dem Brandenburger Tor, dem Jägertor und dem Nauener Tor. Zwischen ihnen herrscht rege Geschäftstätigkeit und vom Wochenmarkt über Floh-, Kunsthandwerker- und Ökomarkt ist alles vertreten. Die gastronomischen Betriebe rund um das Nauener Tor locken mit mediterranem Touch.

Potsdam

Potsdam @iStockphoto/querbeet

Spuren fremder Völker finden sich überall in der Stadt. So gibt es die russische Kolonie „Alexandrowka“, 1826 auf Wunsch Friedrich Wilhelm III. angelegt. Die ersten Bewohner waren Mitglieder eines russischen Soldatenchores. Seit 1999 gehört das Ensemble von 12 Gehöften im Blockhaus-Stil, einem Aufseherhaus, einem königlichen Landhaus und einer russisch-orthodoxen Kapelle zum Weltkulturerbe. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das holländische Viertel mit seinen Backsteinhäuschen und den schönen Giebeln. Es wurde 1734 bis 1742 für holländische Handwerker errichtet, die König Friedrich Wilhelm I. nach Potsdam geholt hatte. Ein Museum zeigt hier die Geschichte des Viertels. Der Dichter Theodor Storm, der ehemals in Potsdam als Kreisgerichtsassessor tätig war, hat zeitweise in diesem Viertel gewohnt, während er sich in Sanssouci zu seiner Novelle „Im Sonenschein“ inspirieren ließ.

Der Name Potsdam verbindet sich mit vielerlei Bildern. Zu Zeiten des „Kalten Krieges“ war es die Glienicker Brücke, auf der immer wieder Agenten zwischen Ost und West ausgetauscht wurden. Die flotten Segler auf der Havel dürften damals in andere Reviere verbannt gewesen sein. Auch die Traumfabrik in Babelsberg ist legendär. Hier entstanden unvergessene Film-Klassiker, wie „Die Feuerzangenbowle“ oder „Der Blaue Engel“. Heute dient der Filmpark Babelsberg nicht nur als Produktionsstätte sondern ist auch ein beliebtes Familien-Ausflugsziel für einen erlebnisreichen Tag in der Welt des Films. Und auch das Filmmuseum im Marstall, eines ehemals als Orangerie erbauten Gebäudes, beschäftigt sich mit der Erfolgsstory der Filmstudios. 2001 schließlich lenkte Potsdam mit der Bundesgartenschau die Aufmerksamkeit auf sich. Übrig geblieben ist neben dem riesigen Gartengelände, das beeindruckende Tropenhaus „Biosphäre“, das immer wieder mit neuen Events die Kundschaft in den 7.000 qm großen Dschungel mit etwa 20.000 tropischen Pflanzen lockt.

Ein Ausflug in eine vergangene Welt ist der Besuch des ehemaligen preußischen Mustergutes der Hohenzollern Krongut Bornstedt, nahe Schloss Sanssouci. Hier kann man historisches Handwerk, wie Hutmacher, Zinngießer, Weber, Glasbläser oder Kerzenmacher bestaunen sowie die Früchte seit 1689 bestehender Braukunst zu märkischen Speisen genießen.

Eine ganz andere Perspektive auf Potsdam erschließt sich vom Wasser aus. Auf der Freundschaftsinsel, nahe dem Hauptbahnhof, beispielsweise bietet ein Bootsverleih allerlei Möglichkeiten die herrliche Havellage von der Wasserseite zu genießen. Und wer das ganz Besondere liebt, der mietet sich ein in der „Schiffspension Luise“ am Tiefen See, auf einem Fluss-Schiff mit Einzel- und Doppelkajüten. Und auch wer lieber mit dem eigenen Boot kommt, findet hier einen Liegeplatz als idealen Ausgangspunkt für die Erkundung der aufstrebenden Stadt mit ihren historischen Schätzen.

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