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Toskana – von den Geschlechtertürmen zum Schildkrötendorf

Die zweite individuelle Reise mit dem PKW durch Italien, führte meine Frau und mich im Jahr 2007 nach Neapel und auf die Insel Capri. Da wir für den dortigen Aufenthalt nur etwa eine Woche eingeplant hatten, verblieben uns einige Tage, um ein paar Abstecher zu einigen Zielen zu machen, auf die wir vor allem durch das Stöbern im Internet aufmerksam geworden waren. Dazu möchte ich erwähnen, dass wir auf unserem ersten Trip durch Oberitalien einige Jahre zuvor, bereits die Toskana und ihre Hauptstadt Florenz kennengelernt hatten. Allerdings hatte uns die landschaftliche Schönheit dieser Gegend mehr begeistert, als Florenz selbst. Das lag vielleicht auch am Wetter, das uns die zwei Tage in Florenz ziemlich im Stich gelassen hatte. Aber egal – wir wollten noch etwas mehr von der Toskana kennenlernen, ließen Florenz sozusagen links liegen, und steuerten unser erstes Etappenziel an:

Die Stadt der Geschlechtertürme – San Gimignano

Es ist schon ein imposantes Bild, wenn man sich der Kleinstadt nähert. Die Silhouette, der auf einem Hügel erbauten Kleinstadt, erinnert mit den aufragenden, viereckigen Türmen, stark an die einer amerikanischen Großstadt. So ist der Beiname San Gimignanos, „Manhatten des Mittelalters“ mehr als berechtigt.

Von den im 12. und 13. Jahrhundert über 70 erbauten Geschlechtertürmen, sind heute noch 15 zu bewundern. Zur damaligen Zeit dienten die Türme mit ihren winzigen Fenstern entsprechend ihrer Höhe als Machtsymbol der jeweiligen Patrizierfamilie und übten gleichzeitig eine Wehr- und Schutzfunktion aus.

Nachdem die UNESCO im Jahr 1990 den Stadtkern in ihr Weltkulturerbe aufnahm, haben die Geschlechtertürme San Gimignanos zu einem wahren Touristenboom geführt, den wir bei unserem Besuch auch spüren konnten – oder mussten? Dabei hat das Städtchen auch noch den schönen, von einigen Palästen umgebenen Brunnenplatz, eine Burgruine und mindestens zwei Museen zu bieten. Einem davon, das wir besuchten, ist mit dem „Torre Grossa“ der einzig zugängliche Geschlechterturm angeschlossen, den wir natürlich bestiegen haben. Schön die dabei erhaschten Ausblicke auf die Landschaft der Toscana.

Ehe wir uns in unser kleines Hotelzimmer zurückzogen, mussten wir noch etwas gegen den aufkommenden Hunger tun. In einem zum Ambiente der mittelalterlichen Stadt passenden Restaurant, konnten wir trotz Sprachschwierigkeiten – wir sprechen beide kein Italienisch – bei einem Toskanischen Weißwein und einem deftigen Schinkenbrot unser Bedürfnis stillen.

Toskana

Toskana ©iStockphoto/Selitbul

Kurzbesuch in Siena

Da sich San Gimignano nicht sehr weit entfernt von Siena befindet, beschlossen wir am nächsten Vormittag, noch einmal einen Zwischenstop in dieser wunderschönen Stadt zu machen, obwohl wir hier schon bei unserem ersten Italien-Urlaub waren. Einen Parkplatz hatten wir erstaunlich schnell gefunden, und so sind wir dann mehr oder weniger ziellos durch Siena spaziert. Man kann dann manches besser wahrnehmen und verarbeiten, als wenn man, wie beim ersten Besuch, die Attraktivitäten der Stadt laut Stadtführer „abarbeitet“.

Natürlich verweilt man nochmals vor dem imposanten gotischen Dom und dem Palazzo Pubblico; aber nicht weniger beeindruckt hat uns der Gang durch die gepflegten Gassen der Altstadt mit den zahlreichen Läden, Tavernen und Freisitzen. Da der Abstecher nach Siena eher ungeplant zustande kam, will ich mich aber nun dem letzten Ziel unserer kleinen Toskana-Rundreise widmen.

Massa Marittima und das Schildkrötendorf

Am gleichen Abend fuhren wir noch weiter bis Chiusdino. Von einer Bekannten hatte meine Frau eine Adresse erhalten, bei der wir nun zweimal übernachten wollten. Freundliche Leute mit ein paar Worten Englisch-Kenntnissen (fast so wie wir), ein hübsches Zimmer, ein verspielter Hund und zweimal ein prächtiges Frühstück – besser konnten wir es nicht treffen.

Am folgenden Vormittag ging es nach Massa-Marittima, einem kleinen Städtchen mit unendlich vielen Cafés und Restaurantes in den engen Gassen, beeindruckenden Palästen und der Piazza Garibaldi, an der mich besonders die Skulptur der Wölfin, die Romulus und Remus säugt, beeindruckte. Auch Erinnerungen an die ersten Lektionen meines Lateinunterrichts vor über 40 Jahren wurden dabei wieder wach.

Sehenswert erschienen uns auch die Reste der Festung, deren begehbarer Turm jedoch leider geschlossen war, und Teile der alten Stadtbefestigung.
Nach einer echt italienischen Pizza ging es dann nachmittags in das Schildkrötendorf „Carapax“ unterhalb von Massa Marittima. Allerdings begegneten uns dort zuerst einige Esel (echte!) und Störche, die neben den vielen Arten von Land- und Sumpfschildkröten hier zu besichtigen sind. Immerhin ist es das größte Dorf seiner Art in Europa und finanziert sich fast ausschließlich von Einnahmen aus dem Touristenverkehr.

Am nächsten Tag verließen wir die Toscana in Richtung Rom, unserer letzten Zwischenstation vor Capri und Neapel.

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