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Gaiole in Chianti

In der Provinz Chianti, nicht weit entfernt von Siena und Florenz, liegt der kleine Ort Gaiole in Chianti mit nur 2.333 Einwohnern. Das Städtchen liegt 360 Meter über dem Meeresspiegel inmitten der toskanischen Hügel, umgeben von Wiesen, Weinbergen und Wäldern. So ist auch der Anbau von Wein und Cerealien der ausschlaggebende Industriesektor für die Einwohner dieses kleinen Paradieses.

Geschichtlich wird diese Gegend schon in die Zeit der Etrusker gesetzt, wie zahlreiche Ausgrabungen bezeugen. Unter anderem eine Nekropole, die auf das 1. bis 3. Jahrhundert vor Christus datiert wird. Im Mittelalter entwickelte sich Gaiole zu einer kleinen Lebensgemeinschaft entlang des Massellone-Flusses und wurde, als sie in die Gerichtsbarkeit von Florenz überging, befestigt. Im 13. Jahrhundert gewann Gaiole an Bedeutung, wurde es doch zu einem wichtigen Umschlagplatz für Handel durch die Position im Randgebiet zwischen den beiden Mächten von Florenz und Siena. Was allerdings auch durch das Tauziehen dieser beiden Städte viele Überfälle und Zerstörungen mit sich brachte. Erst mit den Medici beruhigte sich die Situation. Doch als der Großherzog von Lorena später das Bündnis von Chianti unterdrückte, dem Gaiole angehörte und den eigentlich Wohlstand erbrachte, verliessen viele Kaufleute den Ort und es verlor an Bedeutung und Reichtum.

Das ‚Castello Brolio‘ gehört heute noch einer der ältesten Ritterfamilien der Toskana, den Ricasoli von Florenz. Es erhebt sich mächtig in prachtvollem Rot etwas außerhalb von Gaiole, umgeben von Zypressen und 2 thematischen Gärten. Das Haus Ricasoli lebt heute noch von renominierten Weinen, die von den Ricasoli in die ganze Welt exportiert werden. Die ‚Badia di Coltibuono‘ war einst ein Kloster der Benediktiner-Mönche, ist heute in Privatbesitz und zu einer bauernhöfischen Villa umgebaut. Wunderbare Pergolen umwuchert von Weinreben gaben den Mönchen einst den Weg zur Beschaulichkeit. Die zahlreichen Kirchen in und um Gaiole in Chianti sowie das Oratorium ‚dei Pianigiani‘ weisen wundervolle Fresken auf und in der Architektur sieht man die verschiedenen Stilrichtungen der Epochen, wurde sie doch mit der Zeit erweitert, rekonstruiert oder ausgebessert. Die ‚Pieve di Santa Maria di Spaltenna‘ besticht durch ihre Schlichtheit.

Gaiole in Chianti

Gaiole in Chianti ©iStockphoto/venemama

Heute hat Gaiole in Chianti noch den selben mittelalterlichen Charakter aus seiner Blütezeit bewahrt. Häuser in den typischen Ockerfarben mit roten Ziegeldächern, Zypressen in Vorgärten und gepflasterte Straßen laden zum Bummeln ein, zum gemütlich in einem Café in der Piazza sitzen und einen Espresso genießen. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen im Laufe des Jahres in Gaiole, doch die wohl interessanteste ist die ‚Sagra della Bruschetta‘, die Mitte September eines jeden Jahres stattfindet. Außer dem leckeren Tomatenbrot gibt es die verschiedensten Gerichte, die typisch für dies Region sind, zu verköstigen. Und dazu den guten toskanischen Wein aus Chianti.

Wer sich nach Gaiole in Chianti begibt, sucht Ruhe, Besinnlichkeit, Kontakt zu einer unberührten Natur. Er schätzt die Ruhe der Menschen und ihre Gastfreundschaft, lässt sich von den Zypressen zu Poesie verleiten und sucht das Flair aus dem Mittelalter. Er liebt den Wein, der kristallklar in einem großen Glas schwenkt, die toskanische Küche mit ihren bunten Salaten, Schinken, Pancetta und Salame in den verschiedensten Variationen zu Covaccino, eine Art Brot frisch aus dem Ofen und noch warm. Wer sich eher dem Süßen hingezogen fühlt, sollte Castagnaccio einmal probieren, ein Kuchen aus Kastanienmehl und typisch für diese Region.

Wo man die Hektik des Alltags vergisst, wo man in sich kehrt und dem Leben wieder die eigentliche Bedeutung zuordnen kann – das ist Gaiole in Chianti.

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