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Lucca – ein Traum mitten in der Toskana

Wie die Zeit vergeht? Kaum verheiratet, zwei wunderbare männliche Geschöpfe geboren, inzwischen geschieden und der jüngste bereits 10 Jahre alt. Seit Jahren hört man, wie Pärchen, Kollegen, Gartennachbarn, Freunde, ja sogar die Großeltern von Italien schwärmen. Diese Schwärmerei, das überraschte, macht auch vor der Schule meiner Jungs nicht halt. Und so kam, was kommen musste, “Mutti, wann fahren wir mal in den Urlaub?“. Es sollte über 2 Jahre dauern, bis nach meiner Meinung, die Urlaubskasse stimmte.

Alleinerziehend plant man irgendwie anders. Wir wollten fliegen, doch kein Reisebüro ermöglichte es uns, dass beide Kinder, damals 8 und 10, zum reduzierten Kinderpreis oder gar 1 Kind fährt gratis mit. Solch ein Angebot gibt es nur bei 2 Vollzahlern. Eine lange Strecke, über Autobahnen, immer das Handy griffbereit, die Wahl in einem Ruck durchzuziehen oder viele, viele Pausen einzulegen, lag vor uns. Die Italienische Grenze erreicht, war von Müdigkeit keine Spur mehr, eher ein Auftrieb bewältigte bis Lucca alles in einem letzten Ruck.

In der Beschreibung von Lucca steht, es sei „der kleine Vatikan“. 99 Kirchen und Kapellen und dazu viel mittelalterliches Flair sollten uns hier erwarten. Und Lucca ist ein Traum. Geeignet für Business, Kulturreisende, Freunde von Giacomo Puccini, Toskanaliebhaber, ideal für eine der romantischsten Wochenendausflüge für Paare-Lucca vereint und übertrifft alles, was man über die Toskana zu wissen glaubt. Mit Kindern wird die Hotelsuche allerdings ein Unterfangen. Stilvolles Ambiente, oft großzügige Räume und ungefragt exquisiter Service lassen nicht nur den Preis in die Höhe treiben, sondern machen deutlich, welche Zielgruppe Lucca eigentlich ansprechen möchte. Doch wozu werden Angestellte im Reisebüro bezahlt? Ich wollte Lucca, ich wollte für meine Kinder Unterhaltung, ich wollte den Schiefen Turm von Pisa sehen und mein Ältester stand gerade auf dem Trip Genie Leonardo da Vinci.

Mit Empörung lehnten meine Jungs die Villa La Principessa ab. Wenn es nach mir gegangen wäre, mitten in das Herz Lucca, ins Hotel Universo, Doch ein typisch toskanischer Garten, ein angenehmer Wochenpreis, Swimmingpool und auf Kinder eingestellt gewann, etwa 2 km von Lucca entfernt, die Casa Biancalana. Bereits der nächste Tag galt meinen Söhnen, die alte Holzpuppe Pinocchio und seine Erzählungen werden gewiss noch meine Urenkel in den Bann ziehen. Hier von Lucca dauert es keine Stunde Fahrt und das abenteuerliche Leben der von Carlo Collodi, eigentlich Carlo Lerenzini, geschaffene Figur kann nacherlebt werden. Unweit des am Hang gelegenen Örtchens Collodi befindet sich der Parco di Pinocchio. Jede Szene ist hier lebhaft dargestellt. Selbst Geppetto, Pinocchio als Esel, das Drama im Wal und die falsche Verlockung im Gasthaus mit dem Kater und dem Fuchs fehlen hier nicht. Kennen Sie dieses merkwürdige hüpfende Laufen des Lausbuben Pinocchio? Es dauert 3 Tage bis Kinder bei Verlassen dieses Parks ihren normalen Gang wiederfinden.

Lucca

Lucca ©iStockphoto/Marco Saracco

Ahnend, dass das Touristenziel Pisa uns das Geld aus der Tasche zieht, stand Pisa bereits am nächsten Tag auf dem Programm. Doch Überraschung, in Pisas Altstadt läuft alles ruhig, gediegen und nicht die internationale, sondern die italienische Sprache beherrscht das Zentrum. Zwischen vielen kleinen Gassen und direkt am Arnoufer kann in aller Seelen Ruhe schlendern, den Charme der jahrhundertalten Familienresidenzen und-Paläste genießen, auf dem Gemüsemarkt etwas frisches Knackiges erhandeln und wir fanden sogar eine Trattoria, Da Matteo, wo wir eine Pizza auf die Hand bekamen. Ich bin dankbar, dass wir erst in der Altstadt waren. Denn am Schiefen Turm geht es ähnlich zu wie am Eifelturm oder am Louvre in Paris. Man sieht sie nicht gleich, aber sie sind da, die überteuerten Fastfoodketten und Souvenirverkäufer. Der Eintrittspreis für den seit dem Jahre 1173 sich neigenden Turm war wiederum sympathisch.

Abends ereilte uns die Empfehlung, sich Fahrräder zu leihen. Ein kluger Rat, denn somit ließen sich meine Wünsche, mittelalterliche Kultur erleben mit der Ausgelassenheit zweier Jungs kombinieren. Lucca besitzt einen Stadtwall. Zwischen den schattenspendenden Bäumen entdeckten wir immer wieder neue Stadtansichten. Anregende Landschaftsformationen standen im Wechsel mit wirklich unzähligen Kirchen und herrschaftlichen Palästen. Der Stadtwall scheint unter den Heiratswilligen sehr beliebt zu sein. Ein Fotograf platzierte ein Paar vor der Kulisse der Altstadt immer wieder neu. Viele der stilvollen und reichverzierten Villen und Paläste erhöhen ihr Ansehen durch eine äußerst gepflegte Gartenlandschaft, oft mit Skulpturen gespickt. Selbst in der näheren Umgebung gehören zu den Residenzen der Adels-und Unternehmerfamilien wundervolle Parkanlagen. Zu Ihnen zählen unter anderem die Villa Grabau, übrigens im Besitz einer Hamburger Familie, die Villa Reale und die Villa Oliva, wo auf einem etwa 5 ha großen Park Ginkgo, Zeder, Jasmin und Eukalyptus wachsen. Der ganze Park gleicht einem unvergleichlichen Kunstwerk.

Der letzte Tag galt Vinci. Auf einem Hügel des Monte Albano gibt es gleich Möglichkeiten dem Leonardo etwas näher zu sein. Einige der Ausstellungsstücke im Museo Leonardiano sind mit deutscher Erklärung. Durch Olivenhaine hindurch erreicht der Leonardo Da Vinci-Experte seinen Höhepunkt. Sein Geburtshaus ist auf dem Weiler Anchiano. Eine anstrengende Woche voller Höhepunkte war es für uns und mit etwas mehr Zeit kommen wir gerne wieder.

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