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Von Florenz nach Pisa – ein (zu) kurzer Besuch in der Toscana

Ein Hauch von Florenz

Florenz an einem Tag zu besichtigen ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Die Zeit reicht allenfalls, um einen ersten Eindruck zu gewinnen und das Flair dieser besonderen Stadt zu erahnen. Geduld braucht es, egal ob man an einer der wenigen öffentlichen Toiletten ansteht oder auf den bestellten Cappuccino wartet. Und einen Besuch in den Uffizien darf man ohne Vorabreservierung getrost vergessen. Die Schlangen an den Kassen scheinen unendlich lang. Verschiedene Internetdienste reservieren online Eintrittskarten für die „Galleria degli Uffizi“ gegen teils beträchtliche Gebühren – ein Preisvergleich lohnt. Doch auch ohne jeden Museumsbesuch kommen Kunstliebhaber voll auf ihre Kosten. Die „Piaza del Duomo“ mit Dom und Baptisterium ist ein Gesamtkunstwerk, das einen fast ehrfürchtig Staunen lässt. Der gewaltige „Duomo Santa Maria del Fioro“ mit seiner einzigartigen Kuppel gehört mit dem Petersdom in Rom zu den größten Kirchenbauwerken überhaupt. Daneben lohnt die achteckige Taufkirche „Battistero San Giovanni“ den näheren Blick allein schon wegen ihrer prachtvollen Bronzeportale. Das Südportal von Andrea Pisano zeigt plastische Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers. Noch berühmter aber sind Nordportal und Paradiestür. Lorenzo Ghiberti schuf für diese beiden Meisterwerke insgesamt 30 Tafeln, die Altes und Neues Testament illustrieren. Die vergoldeten Tafeln an der Paradiestür ziehen jeden Betrachter unweigerlich in ihren Bann.

Wem von soviel Glanz leicht schwindlig wird, dem sei ein Spaziergang über den „Ponte Vecchio“ empfohlen. Gold gibt es auch hier zu bestaunen. Seit dem 16. Jahrhundert haben die Goldschmiede ihre Läden auf der Brücke über den Arno. Der Ausblick auf die Stadt ist von hier aus ebenso spektakulär wie vom „Giardino di Boboli“ oberhalb des „Palazzo Pitti“. Dieser schöne Garten mit Amphitheater und Wasserspielen lädt ein zur Atempause abseits der Menschenströme. Kenner besuchen Florenz sowieso lieber außerhalb der Saison. Im Spätherbst oder Winter ist das Wetter ideal, um die zahllosen Museen in Muße zu erkunden. Es herrscht Ruhe in den Gassen und auf den Plätzen. Nebel oder Nieselregen verleihen der Altstadt einen ganz eigenen Zauber.

Kleine Pisa-Studie
Wer Florenz mit dem Gefühl verlässt, selbst eine Woche würde nicht ausreichen, um alle Schätze der Stadt zu entdecken, ist in Pisa besser aufgehoben. Mit dem „Schiefen Turm“ hat man das Ziel klar vor Augen und hegt meist gar nicht den Wunsch nach mehr. Doch beim ersten Blick auf die „Piazza dei Miracoli“ mit Dom, Baptisterium und dem berühmten Turm wird wohl jeder Betrachter von diesem „Traum aus Stein“ wundersam überrascht. Am „Duomo Santa Maria Assunta“ faszinieren die herrliche Fassade, eine prachtvolle Kassettendecke und die reich verzierte Kanzel von Giovanni Pisano. Wir hatten Glück und kamen am frühen Morgen an auf dem nahezu menschenleeren Platz. Beim Warten auf die vorbestellte Führung umrundeten wir den „Campanile“. Das Meisterwerk von Bonanno Pisano wirkt aus den verschiedenen Blickwinkeln betrachtet mehr oder weniger schief. Aus einer bestimmten Perspektive erscheint der „Schiefe Turm“ sogar gerade. Das benachbarte „Battistero“ gilt als größte Taufkirche der Christenheit. Die Akustik in dem Monumentalbau ist einzigartig. Zum Beweis summte ein Museumsangestellter mit tiefer Stimme verschiedene Töne, deren Schall von den Wänden vielfach reflektiert wurde. Ein wenig benommen von diesem Klangerlebnis im kühlen Halbdunkel stolperte unsere Gruppe hinaus ins gleißende Sonnenlicht. In der Mittagshitze machten wir uns auf den Rückweg zum Reisebus und genossen die kleine Siesta auf der Fahrt Richtung Siena.

Florenz

Florenz ©iStockphoto/sborisov

Sehenswertes am Rande
Eine Busreise kann natürlich nur einen Eindruck vermitteln von der Schönheit der Toskana. Doch es reicht allemal, diesen Landstrich kennen und lieben zu lernen. Man muss einfach wiederkommen und mehr Zeit mitbringen für Land und Leute, Kunst und Kultur, (Wein)-Keller und Küche. Eine andere Möglichkeit ist es, Schwerpunkte zu setzen für die nächste Reise. Fast noch ein Geheimtipp ist eine Tour durch’s Hinterland abseits der Städte. Oder man erkundet die Gärten der Toskana. Dabei kommen auch Kunstliebhaber auf ihre Kosten. In fast allen Garten- und Parkanlagen warten Skulpturen auf Entdeckung. Freunde moderner Kunst dürfen ein Reiseziel nicht verpassen. An der Grenze zur Provinz Siena liegt ein ganz besonderes Kleinod: „Il Giardino dei Tarocchi“ mit den überlebensgroßen farbenfrohen Skulpturen von Niki de Saint Phalle. Inspiriert wurde die französische Künstlerin von Antonio Gaudis „Park Güell“ in Barcelona. Fast zwanzig Jahre lang arbeitete sie an ihrem Lebenstraum, bis der Tarotgarten 1997 in Capalbio eröffnet werden konnte.

Der Ort liegt unweit von Grossetto in der Maremma. Diese landschaftlich reizvolle Region ist touristisch noch wenig erschlossen und genau das Richtige für Naturfreunde. Der „Parco della Maremma“ liegt an der Küste und bietet schöne Wanderwege durch unberührte Natur. Im Wildpark auf dem Monte Labbro sind Rehe, Hirsche, Wildpferde und sogar Wölfe zu Hause. Auch der Gast kann ganz naturnah wohnen bei den „Aziende Agricole“. Weinbauern und Olivenölproduzenten vermieten Ferienwohnungen und Gästezimmer in ehemaligen Bauernhäusern und Landgütern. Ob stilvolle Villa, Natursteinhäuschen neben der Ölmühle, oder ein Zimmer mit Frühstück beim Biobauern – für jeden Geschmack und jede Preislage bietet dieser „Agriturismo“ das Passende.

Gute Reise!

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