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Bilbao

Kinder rasen mit ihren Skateboards oder Rollerblades auf der erhöhten Fläche in der Mitte, Jugendliche spielen unter Gejohle Fußball, einen Arkadenbogen als Tor nutzend, Erwachsene stehen in Gruppen zusammen und unterhalten sich auch nicht gerade leise – es herrscht eine beachtliche Geräuschkulisse auf der Plaza Nueva in Bilbao am frühen Samstagabend. Man muss sich beeilen, noch einen der wenigen Plätze in einem der Staßencafés zu erhaschen, um in Ruhe das muntere Treiben zu beobachten.

Die Plaza Nueva, eher ein Innenhof, von allen vier Seiten von einem dreistöckigen, ockerfarbenen Gebäude umgeben, in der Nähe der Cathedral de Santiago, ist das Zentrum der Altstadt von Bilbao. Von ihm aus breiten sich die legendären „Siete Calles“, die sieben Gassen, aus, die das Altstadtviertel durchziehen und mit einer Vielzahl von kleinen Geschäften, von Jeansshops bekannter Modeketten bis zu einem Laden für Baskenmützen, und einer noch größeren Zahl von Bars, Kneipen und Restaurants den Besucher locken.

Bilbao

Bilbao @iStockphoto/peeterv

Auch in den kleinen Gassen tobt jetzt, am Abend, das Leben – und der Lärm. Gruppen von jungen Leuten ziehen von Bar zu Bar, begrüßen lautstark Freunde, ältere Menschen schauen sich die Schaufenster der Geschäfte an, ein junges Paar Rucksacktouristen klingelt – vergeblich – bei einer der kleinen Pensionen, um ein Nachlager zu bekommen und zieht enttäuscht weiter zur nächsten, hoffentlich mit mehr Erfolg.

Vor den Bars und Cervezerías bilden sich mittlerweile große Menschentrauben, denn drinnen an der Theke ist schon lange nicht mehr genug Platz für alle, die ein Bier, einen Wein oder den regionaltypischen Sidre, den Apfelwein, trinken oder aber auch eine der leckeren Kleinigkeiten von den Tapatheken essen möchten. Für den größeren Hunger bieten unzählige Restaurants, vom Gourmettempel bis zu Fast-Food-Ketten, für jeden Geschmack etwas. Eines der typisch baskischen Restaurants ist das „Restaurante Egiluz“. Man muss schon ein wenig die Ellenbogen zu Hilfe nehmen, um an den Gästen, die den Tresen umdrängen, vorbeizukommen. Ein Pfeil weist den Weg hinauf zum Speiseraum. Über eine schwindelerregende, enge Wendeltreppe erreicht man den ersten Stock, in dem fünf Tische für die Gäste bereit stehen. Neben den Gerichten auf der Karte wird ein günstiges „Menue del noche“, ein Abendmenü, geboten, mit einer großen Auswahl an Vorspeisen und Hauptgerichten, traditionellen Gerichten wie einer Fischsuppe oder dem typischen Bacalao al pil-pil, Kabeljau in Knoblauchsauce, aber auch gemischter Salat oder Steak. Und nach dem Essen geht es wieder hinab und hinaus auf die „Siete Calles“, wo das brodelnde Leben weitergeht – bis in den frühen Morgen.

Ein anderes, nichts desto weniger ebenso lebhaftes, Bild bietet die Plaza Nueva am nächsten Vormittag: es findet hier der sonntägliche Markt statt. Kein Flohmarkt im eigentlichen Sinne, antiquarische Bücher werden zum Kauf angeboten, an anderen Ständen sollen die unterschiedlichsten Arten von Vögeln, oft in beängstigend kleinen Käfigen präsentiert, den Käufer locken. Besonders lebhaft geht es in der Ecke zu, wo Verkäufer aus alten Koffern Fußballbilder zum Kauf oder Tausch anbieten. Sammler, zumeist Männer, haben Listen mit ihnen noch fehlenden Motiven dabei, blättern emsig das ausliegende Angebot durch und führen erregte Debatten, oftmals in dem für die auswärtigen Besucher völlig unverständlichen Baskisch.

Am Ufer des Ria de Bilbao führt der Weg hinaus aus der Altstadt in Richtung des modernsten und wohl auch bekanntesten Gebäudes Bilbaos: des Guggenheim-Museums. Schon von Ferne leuchten unter der Puente Principes de España die Metallverkleidungen der kühnen Konstruktion. Auf faszinierende Art unter der Hochbrücke hindurch gebaut und in diese integriert, liegt das Museum in der Vormittagssonne. Schon auf der Uferprommenade erwartet einen das erste Kunstwerk, eine mehrere Meter hohe Skulptur einer Spinne von Louise Bourgeois, vielsagend „Mama“ betitel. Aus einem Wasserbassin an der Rückseite des metallglänzenden Gebäudes steigen künstliche Dampfschwaden hinauf und hüllen die Besucher auf der Aussichtsplattform und die verschachtelte Konstruktion des Museums in Nebelschwaden. Auch im Innern kann sich wohl kaum ein Besucher der Wirkung der Architektur von Frank O. Gehrys Bau entziehen, die in beeindruckender Weise in einem Raum der Präsentation riesiger Skulpturen und meterhoher Lichtinstallationen dient, während in kleineren, intimeren Sälen andere Objekte und Bilder ihren passenden Rahmen finden. Durch das Guggenheim-Museum etwas in den Hintergrund gedrängt wurde die sehenswerte Sammlung des Museo de Bellas Artes, in einem neoklassizistischen Gebäude mit modernem Anbau, stilvoll am Parque de Doña Casilda de Iturrizar gelegen.

Durch die Gran Via, eine der Haupteinkaufsstraßen Bilbaos, gelangt man wieder zurück in die Altstadt, hinein in das nächtliche Getümmel, das sich an Werktagen allerdings etwas ruhiger gestaltet.

Text: Peter Rieprich

Das Guggenheim-Museum:

Öffnungszeiten:

Di. bis So. 10 bis 20 Uhr
Im Juli und August auch montags geöffnet

Eintrittspreise:

10,50 Euro, ermäßigt (Studenten, Rentner) 6,50 Euro

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