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Bevölkerungsgruppen und Sprachen in der Türkei

Die Türkei war und ist ein Vielvölkerstaat. Diese Erkenntnis zieht sich durch die gesamte türkische Geschichte, wird von der Regierung der türkischen Republik jedoch beharrlich verdrängt. Schon seit Jahrtausenden ließen sich immer neue Völker aus Europa, Asien und dem Orient in Kleinasien nieder, angefangen von den Neandertalern und Hethitern über Griechen, Armenier und Perser bis hin zu Türken, Kurden, Arabern oder Albanern. Bei Volkszählungen wird nicht erfasst, welcher Bevölkerungsgruppe eine Familie angehört – was prinzipiell auch schwer zu sagen ist, da viele türkische Familien ihre Wurzeln in vielen verschiedenen Volksgruppen haben und gar nicht einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden könnten. Aufgrund der türkischen Assimilationspolitik werden seit Jahrzehnten viele ethnische Gruppen unterdrückt, sie dürfen ihre Sprache nicht sprechen, ihren Sitten und Bräuchen nicht folgen. Trotzdem gibt es noch einige Volksgruppen, die ihrer Tradition gemäß versuchen zu leben.

Zu ihnen zählen beispielsweise die Kurden, die Zaza, Araber, Albaner, Tscherkessen, Armenier oder die Lasen. Übrigens: in Istanbul, dem Schmelztiegel am Bosporus, gibt es Kuriositäten wie Arnavutköy, das Albaner-Dorf, und Polonezköy, das Polen-Dorf. Hier leben ganz offiziell Albaner bzw. Polen und tragen stolz ihre Sprache, Sitten, Gebräuche und Traditionen zur Schau – sehr zur Freude neugieriger Istanbuler und Touristen. Die polnischen Istanbuler versorgen die Bewohner der Stadt mit sonst nicht erhältlichem Schweinefleisch, der albanische Bezirk ist vor allem für seine liebevoll restaurierten alten Holzhäuser und die exzellenten Fischrestaurants bekannt. In Anbetracht der ethnischen Vielfalt ist es nicht weiter verwunderlich, dass neben Türkisch noch eine ganze Reihe anderer Sprachen in der Türkei gesprochen werden. Kurdisch sprechen beispielsweise 16-17 % der Bevölkerung, immerhin noch 2 % verständigen sich in Zazaisch oder einem arabischen Dialekt. Unter den ethnischen Minderheiten trifft man beispielsweise auf Sprachen wie Aramäisch, Armenisch, Georgisch oder Lasisch. Die Amtssprache der Türkei ist jedoch das Türkische, das mehr als 90% der Bevölkerung spricht. Die Sprache ist aufgrund der eigentlichen Herkunft der Turkvölker entfernt mit dem Finnisch-ugrischen verwandt und fast ebenso komplex.

Türkisches Taxischild

Türkisches Taxischild

Lange war die türkische Sprache vom Arabischen und Persischen beeinflusst, was sich auch in der Verwendung des arabischen Alphabets zeigte. Seit den kemalistischen Reformen Atatürks verwendet man das lateinische Alphabet. Noch heute findet man jedoch Lehnwörter, die arabischen oder persischen, aber auch italienischen, französischen oder griechischen Ursprungs sind. Zahlreiche Mundarten bereichern heutzutage den türkischen Sprachschatz. Lacht man eher über den „Provinzdialekt“ in Ostanatolien, so gilt der Istanbuler Dialekt als die türkische Hochsprache. Dialekte findet man verbreitet auch in der Schwarzmeerregion und an der Ägäis.

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