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Bursa und seine Sehenswürdigkeiten

Als viertgrößte türkische Stadt liegt Bursa etwa hundert Kilometer südlich von Istanbul, eingebettet in einer grünen und fruchtbaren Landschaft mit Schwefel- und Eisenquellen direkt am Fuße des Uludag-Gebirges. Durch die weitläufigen und aufwendig gestalteten Parkanlagen im Zentrum wird Bursa auch als die „Grüne Hauptstadt der Türkei“ bezeichnet. Die Küste des Marmarameeres ist nur etwa zwanzig Kilometer von der Provinzhauptstadt entfernt. Obwohl Bursa mit etwa drei Millionen Einwohnern als eine der pulsierendsten Metropolen in der Türkei gilt, wird sie von Touristen nur wenig besucht, da sie abseits der Urlauberhochburgen liegt. In der Antike war die im Jahr 188 vor Christus auf einem Zitadellenhügel von König Prusias I. gegründete Stadt unter dem Namen Prusa bekannt. Sie wurde von den Goten bereits wenige Jahrzehnte nach ihrer Gründung geplündert, was zum Bau einer umfassenden Befestigungsanlage führte. Neueste archäologische Funde legen nahe, dass das Gebiet um das heutige Bursa bereits vor viertausend Jahren besiedelt wurde. Im byzantinischen Reich erlangte die Stadt vor allem wegen der zahlreichen Heilquellen eine wichtige Bedeutung. Nach Jahrhunderten wechselnder Herrschaften fiel Bursa schließlich in die Hände der Osmanen, die die Stadt im Jahr 1361 unter Orhan Gazi zur Sultansresidenz erhoben. Dies führte zu einer ersten Blütezeit, die Reichtum und Wohlstand brachte und zur Errichtung zahlreicher Kunstdenkmäler und bedeutender religiöser Bauwerke führte. Ihren Status als die Hauptstadt des Osmanischen Reiches behielt Bursa jedoch nicht lange, da der osmanische Sultan Hüdanvendigar bereits im Jahr 1368 einen neuen Palast in der Stadt Edirne erbauen ließ. Dennoch verlor Bursa in den folgenden Jahrzehnten nicht an Bedeutung, da es durch die zahlreichen Heilquellen und die Seidenproduktion ihre Rolle als wichtiges Handelszentrum und Reiseziel bewahrte. Bursa überlebte die Verwüstung durch die Mongolen im frühen 15. Jahrhundert und trotzte im Laufe einer abwechslungsreichen Geschichte der griechischen Besetzung ebenso wie zahlreichen Erdbeben und Bränden.

Das Grüne Mausoleum – Wahrzeichen der Stadt

Der von den Türken Yesil Türbe genannte Grüne Schrein gilt trotz seines eher schlicht gehaltenen Baustils als eines der kunstvollsten Mausoleen aus dem Osmanischen Reich. Das Gebäude erhielt seinen Namen durch die türkisen Fayencen, die die Außenfassade bedecken. Mit einem Durchmesser von etwa achteinhalb Metern wurde es im Jahr 1421 im Auftrag von Mehmed I. errichtet. Dieser starb noch im selben Jahr und wurde im Grünen Mausoleum ebenso beigesetzt wie später seine drei Söhne und vier Töchter. Das Grüne Mausoleum steht auf einer Anhöhe inmitten einer kleinen Parkanlage und ist von jedem Punkt der Stadt aus zu erkennen. Sehenswert sind nicht nur die kunstvollen Fayencen der Außenfassade, sondern auch die wenige Jahre nach seiner Errichtung beigefügten Verzierungen der Innenräume. Die einzige fensterlose Wand des Gebäudes fällt durch eine Gebetsnische auf, die mit in Iznik hergestellten Fayencen verziert ist. Im Innenraum des Gebäudes sind die Sarkophage der Sultansfamilie zu besichtigen, im Keller befinden sich die eigentlichen Grabmäler. Berühmt sind auch die bleiummantelte Kuppel und das Portal aus Nussbaumholz mit geometrischen Schnitzereien. Die Grabmäler der ersten Sultane Osman und Orhan Gazi befinden sich hingegen im Westen des Stadtzentrums auf der von einer Mauer umgebenen Zitadelle. Von dem kleinen Plateau aus genießen Besucher einen prachtvollen Ausblick über Bursa und die grüne Landschaft der Umgebung.

Die Große Moschee von Bursa

Als wichtigstes religiöses Gebäude der Stadt wurde die Große Moschee zu Beginn des 15. Jahrhunderts fertiggestellt und befindet sich im historischen Stadtzentrum Bursas. Auch dieses Gebäude wurde im Auftrag von Mehmed I. errichtet. Es unterscheidet sich von späteren Moscheen vor allem dadurch, dass es keine einzelne zentrale, sondern zwanzig kleinere Kuppeln besitzt, die über dem Gebetsraum mit einer Gesamtgrundfläche von fünftausend Quadratmetern verteilt angelegt sind und von über zehn Pfeilern getragen werden. Die Gebetsnische der Großen Moschee von Bursa stammt aus dem 16. Jahrhundert und gilt als eine der schönsten Beispiele osmanischer Steinmetzkunst überhaupt. Sehenswert sind auch die aus Zedernholz gefertigte Predigtkanzel und der zentrale, direkt unter einer Kuppel gelegene Brunnen, der der Moschee eine einzigartige Atmosphäre verleiht und der rituellen Waschung der Gläubigen vor dem Gebet dienen soll. Eindrucksvoll sind auch die mit handschriftlichen Kalligrafien übersäten Wände der Moschee. In unmittelbarer Nähe zur Großen Moschee liegt die Orhan Gazi Moschee, die vermutlich während der Regierungszeit Orhan I., also im Laufe des 14. Jahrhunderts als erstes Gebetshaus in Bursa erbaut wurde.

Die Grüne Moschee

Am Hang direkt unterhalb des Grünen Mausoleums liegt mit der Grünen Moschee, von den Türken Yesil Cami genannt, das drittgrößte Gebetshaus der Stadt, dessen Bau in der Regierungszeit Mehmed I. begonnen und unter seinem Nachfolger Murat II. vollendet wurde. Die Grüne Moschee gilt als eines der bedeutendsten Meisterwerke frühosmanischer Baukunst. Sie wurde im berühmten „Bursa-Stil“ errichtet, der wie bei der Großen Moschee durch die Gestaltung mehrerer Kuppeln statt einer einzigen, sowie einer kunstvollen Ornamentik geprägt ist. Trotz des schweren Erdbebens des Jahres 1855 ist der Gebäudekomplex sehr gut erhalten. Auch in der Grünen Moschee befindet sich im Innenraum ein Brunnen, der das zentrale Gestaltungselement des Eingangsbereichs darstellt. Das achteckige Gebäude ist in insgesamt acht unterschiedliche Bereiche, darunter einen höherliegenden Gebetssaal, eine ehemalige Armenküche und zahlreiche Lehrräume unterteilt. Ihren Namen erhielt die Moschee in Anlehnung an das nahegelegene Grüne Mausoleum und die mit türkisblauen Fayencen gestaltete Fassade. Die intensive Farbe des Mausoleums und der dazugehörigen Moschee hat den Beinamen der „Grünen Hauptstadt“ vermutlich ebenso geprägt wie die zahlreichen Grünanlagen des Stadtgebietes.

Bursa

Bursa ©iStockphoto/muharremz

Die wichtigsten Museen Bursas

Wer sich für die abwechslungsreiche und beeindruckende Geschichte von Bursa interessiert, sollte auch einen Besuch einiger der zahlreichen Museen der Stadt in Erwägung ziehen. Während das Archäologische Museum von Bursa eine umfangreiche Sammlung von frühen Kunstwerken aus der Zeit zwischen dem dritten Jahrhundert vor Christus und dem Niedergang des byzantinischen Reiches beherbergt, bietet das Museum für islamische und türkische Kunst einen interessanten Einblick in Kunst und Architektur des Osmanischen Reiches. Das Atatürk-Museum ist in einem zweistöckigen, aus Holz erbauten Wohnhaus untergebracht, das ein typisches Beispiel für die türkische Architektur des 19. Jahrhunderts darstellt. Mit den politischen Verhandlungen, die im Jahr 1922 zum geschichtsträchtigen Waffenstillstand zwischen der Türkei und Griechenland und zur Unabhängigkeit des türkischen Staates führten, befasst sich das Mundanya Museum mit einer großen Sammlung an wichtigen Dokumenten und Bildern.

Der traditionelle Seidenbasar Koza Han

Die Stadt Bursa blickt auf eine lange Geschichte als in Anatolien wichtigste Station der Seidenstraße zurück. Die fruchtbare Gegend um Bursa mit ihrem hohen Bestand an Maulbeerbäumen bot ideale Bedingungen für die Zucht von Seidenraupen. Dies machte Bursa einst zum Zentrum der Seidenproduktion und des Seidenhandels in der Türkei. Schon im sechsten Jahrhundert vor Christus gelangte die Seidenraupenzucht von China aus an die Küste des Marmarameeres und wurde dort später von den Osmanen weiterentwickelt. Dadurch stiegt auch Bursa zu einer der wichtigsten Handelsmetropolen des osmanischen Reiches auf und behielt diesen Status mehrere Jahrhunderte lang. Eine Maulbeerbaum-Epidemie aus Frankreich hatte im Jahr 1860 verheerende Auswirkungen auf die Zucht der Raupen und bedeutete für viele Seidenproduzenten das Ende ihrer Existenz. Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts brachte zudem auch in der Türkei die Massenproduktion billiger Stoffe mit sich, die die traditionelle und aufwendige Herstellung kostbarer Seidengewebe allmählich verdrängte. Intensive Bemühungen, die Seidenweberei als wichtiges Handwerk in Bursa aufrecht zu erhalten, zeigten nur einen teilweisen Erfolg, denn die Stadt konnte nie wieder den Status erreichen, den sie als Handelsmetropole in der Vergangenheit genossen hatte. Dennoch bieten sich in Bursa für Besucher heute noch zahlreiche Möglichkeiten, die Produktion von kostbarer Seide hautnah zu erleben. Bursa ist ein wichtiger Standort der Textilindustrie geblieben, obwohl die Produktion von Frottee auf internationaler Ebene heute eine wesentlich wichtigere Rolle spielt als jene der Seide.

Von dem einst blühenden Handel mit diesem feinen Gewebe zeugt immer noch der im Basarviertel gelegene Koza Han, ein zweistöckiges, um einen Hof in Arkadengängen angelegter Gebäudekomplex aus dem Jahr 1490, der sich bis heute seine Funktion als Seidenbasar erhalten hat. In den Sommermonaten finden sich hier die Bauern aus den umliegenden Regionen ein, um sich in den Hallen einzurichten. In ihren großen Säcken befinden sich die weißen Kokons der Seidenraupen, die hier mit dem Spinnen der Seidenfäden beginnen. Im ersten Stock bezogen in vergangenen Zeiten die Handelsreisenden Quartier, um ihre kostbaren Waren zu verkaufen. Noch heute sind im Koza Han zahlreiche Läden untergebracht, die in Bursa produzierte, feingewebte und bestickte Seidenstoffe und -textilien in vielen Farben und Mustern anbieten. Im Hof des Seidenbasars lohnt sich auch der Besuch der kleinen achteckigen und über einem Wasserbecken gebauten Moschee. Das Wasserbecken wurde im Jahr 1985 mit Finanzmitteln der Aga-Khan-Stiftung aufwendig restauriert.

Andere Sehenswürdigkeiten in Bursa

In unmittelbarer Nähe zum Koza Han befinden sich auch ein sehenswerter Antiquitätenmarkt, das stadtälteste Basargebäude aus dem Jahr 1400 sowie die Karawanserei. Wer nach einem umfassenden Shopping- und Sightseeing-Programm noch Zeit und Energie übrig hat, sollte im Zuge eines Aufenthaltes in Bursa einen Besuch des traditionellen Karagöz-Schattenspiel-Theaters im äußeren Bezirk Cekirge einplanen. Die Stadt ist nämlich eng mit der Entstehung des Karagöz-Spiels verbunden, da die beiden Hauptfiguren und Helden der Geschichten, der Hacivat und der Karagöz ebenso wie deren Erfinder, der Scheich Küsteri aus Bursa stammen. Daher ist nicht nur das in der Stadt ansässige Schattenspiel-Theater weltberühmt, auch die in regelmäßigen Abständen in Bursa abgehaltenen Karagöz-Festivals sind von internationaler Bedeutung. Die Schattenspiel-Vorführungen im Theater in Cekirge werden noch heute nach alten Methoden abgehalten, auch wenn die einstigen Fackeln als Lichtquellen längst durch moderne Lampen ersetzt wurden.

Im Stadtteil Cekirge befinden sich auch die zahlreichen Schwefel- und Eisenbäder von Bursa. Durch ihre lange Tradition als Stadt der Thermalbäder bietet sich daher für die Wellness-Liebhaber unter den Touristen, die Bursa bereisen, der Besuch eines authentischen Hamams in einem der alten osmanischen Prachtbauten an.

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