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Die schönsten Städte Europas

Mythos Paris

Paris – so heißt es – ist die Stadt der Liebe. Und zwar schon lange, bevor schwere Metallschlösser auf einer der 37 Brücken über die Seine befestigt wurden. Stimmt das überhaupt – das Klischee mit der Liebe? Die Pariser selbst, die ihre stressige und temporeiche Stadt am besten kennen, sagen hingegen: Nein, Paris ist die Stadt des Lichts. Voilà! Paris ist zumindest die Stadt, in der die künstlerische Bewegung der Impressionisten mit ihrer lichterfüllten Malerei ihre erste Ausstellung hatte. Paris ist auch die Stadt des technischen Fortschritts – und der liegt den Franzosen nun wirklich am Herzen. Denn ihr Symbol, der Eiffelturm, entstand zur Weltausstellung des Jahres 1889. Als neuartiger Eisenfachwerkbau war er ein Meisterwerk der Ingenieurkunst seiner Zeit. Das fanden auch die Franzosen. Denn als er nach der Weltausstellung wieder abmontiert werden sollte, widersetzte sich die Bevölkerung. Wie man sieht, mit Erfolg!


Doch Paris ist auch die Stadt der Freiheit. Von ihr ging mit dem Sturm auf die Bastille 1789 die Französische Revolution aus. „Liberté, Egalité, Fraternité“ ist das Motto der Revolution gewesen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Heute hat dies nichts an Aktualität verloren. Was wenige wissen: Die New Yorker Freiheitsstatue ist ein Geschenk der Franzosen an die Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem Grund steht eine kleine Version, gewissermaßen die ältere Schwester der New Yorker Statue of Liberty in Paris auf der Westspitze der Île aux Cygnes, der Insel der Schwäne. Na, wenn das kein romantischer Name ist.

Paris sei auch die Stadt der Mode, heißt es. Das sind allerdings viele Städte. Genau genommen ist Paris die Stadt der Haute Couture, der hohen Schneiderkunst. All die namhaften Designer mit ihren Showrooms und flinken Schneiderwerkstätten sitzen hier wie auch berühmte Modezaren wie Karl Lagerfeld. Vielleicht ist es einfach die besondere Atmosphäre, die den Ruf als Stadt der Liebe ausmacht: Nirgendwo sonst sieht man so viele verliebte Paaren, die über die Champs-Élysées oder an den Bouquinisten vorbei schlendern, die Métro nutzen, auf den Montmartre steigen, den Louvre und das Centre Pompidou besuchen oder in den berühmten Passagen wie die Galerie Jouffrouy verweilen. Oder vielleicht auf die Tour Montparnasse klettern, wo ihnen »tout Paris« – ganz Paris – oder mehr noch »le Ciel de Paris«, der Himmel von Paris, zu Füßen liegt.

Paris

Paris ©iStockphoto/Sean3810

Venedig – die Stadt im Meer

Venedig sehen und sterben. Seit Thomas Mann Erzählung „Der Tod in Venedig“, die von einer unglücklichen Liebe handelt, besteht diese Assoziation. Doch natürlich ist das nicht wörtlich gemeint, obwohl einer der berühmtesten Thriller der Filmgeschichte, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, darauf anspielt. Vielmehr verbirgt sich dahinter ein Lob auf die nach Meinung vieler Menschen schönste Stadt der Welt: Jeder sollte sie in seinem Leben einmal gesehen haben.


Venedig steht auch für den Karneval, ein Ereignis, das nicht nur eine Touristenattraktion ist. Auch die Venezianer nehmen großen Anteil daran. Überhaupt ist die Kunst des Schauspiels, der Darstellungskunst und der Maskerade etwas, das in Venedig beheimatet ist. Denn aus Venedig stammt die Commedia dell’Arte, ein burleskes Stehgreiftheater. Wer mit dem Zug ankommt, wird Zeuge, wie die auf Millionen Pfählen errichtete Stadt auf wundervolle Weise plötzlich auf dem Wasser auftaucht. Kein Wunder, bei dieser Vielzahl von Kanälen, Brücken und großen innerstädtischen Buchten wie dem Bacino San Marco in der Lagune von Venedig, auf dem jedes Jahr die Ausfahrt des Bucintoro, des Prachtschiffs des Dogen, zur mystischen Vermählung Venedigs mit dem Meer stattfindet. Dieser Ritus diente auch dazu, die Adria von Piraten zu befreien. Doch vielleicht ist dieses Fest der Vermählung auch der Grund, weshalb viele Menschen ihre Hochzeitsreise nach Venedig führt?

Venedig

Venedig ©iStockphoto/RudyBalasko

Canale Grande, San Marco und der Markusplatz sind natürlich für jeden Venedigreisenden ein Muss, ebenso wie der Besuch auf dem Lido, wo alle zwei Jahre die Biennale von Venedig stattfindet, eine weltberühmte Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Auch ein Gang durch das winzige Getto von Venedig ist eigentlich unverzichtbar. Neben den vielen Attraktionen, die Venedig bietet, lohnt ein Besuch im Arsenal. Zu Zeiten, als Venedig noch die Serenissima war, also Stadtstaat und der unbezwingbare Herrscher über das Mittelmeer, wurden hier die großen Kriegsschiffe gebaut. Übrigens: Einer der ersten großen Seefahrer und Weltreisenden der Geschichte war natürlich Venezianer: Marco Polo.

Prag – die Schöne an der Moldau

„Es liegen drei Kaiser begraben in Prag“, so dichtete Bertold Brecht in seinem „Lied von der Moldau“. Welche Kaiser das sind? Das findet man am besten selbst heraus. Verraten wird nur, dass sie oben auf dem Hradschin, der Prager Burg, in der Kathedrale Sankt Veit ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. „Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine“, geht das Gedicht von Brecht weiter, das auf die Vergänglichkeit aller weltlichen Macht anspielt. Beruhigend.
Ein anderer berühmter Schriftsteller, Franz Kafka, hat in Prag gelebt. Viele seiner Geschichten spielen hier. Überhaupt ist Prag die Stadt der Dichter, was jeder feststellen wird, der sich auf die Spuren von Rainer Maria Rilke oder Franz Werfel begibt.
Einen wunderbaren Ausblick über Prag hat man, wenn man hinüber auf die Kleinseite und dort zur Burg hinaufläuft. Oben auf dem Hradschin hat man bereits eine tolle Sicht, die nur noch von dem Aussichtspunkt am Strahov-Kloster übertroffen wird. Dort liegen einem Prag und die Moldau wirklich zu Füßen. Schön verwinkelt und malerisch sind die Gassen auf dem Burgberg. Mit einer Gasse ist ein geheimnisvoller Mythos verbunden: der Golem. Diese der jüdischen Mystik entstammende Kreatur hat menschenähnliche Züge. In der berühmten Dichtung von Gustav Meyrink treibt er als eine Art Gespenst in Prag sein Unwesen.
Auf der anderen Seite der Moldau, der Altstädter Seite gibt es neben dem Prager Rathaus und der Teynkirche unzählige Kneipen und Bars, Theater und Konzerthäuser zu entdecken. Im Jüdischen Viertel von Prag hingegen kann man eine ganze Reihe von Synagogen, darunter die älteste aktive der Welt, besichtigen sowie den berühmten Alten Jüdischen Friedhof von Prag. Gleich mehrmals sollte man die Seiten wechseln, um Prag zu erkunden, bietet sich doch jedes Mal Gelegenheit, eine der schönsten und ältesten Brücken der Welt zu begehen: die Karlsbrücke. Kleiner Tipp: Der Namengeber der Brücke ist einer der gesuchten drei Kaiser.

Dresden – die italienischste Stadt auf deutschem Boden

Elbflorenz wird Dresden auch genannt. Wer bei Abenddämmerung auf der Albertbrücke steht und hinüberschaut zum Ensemble am Terrassenufer mit Zwinger, Semperoper, Frauen- und Hofkirche, versteht sogleich, warum. Gemächlich fließt die Elbe hier, wie um sich selbst ein Stelldichein mit all der Pracht zu geben, die sich an ihren Ufern seit Jahrhunderten entfaltet. Dies alles geht zurück auf die Sächsischen Kurfürsten und Herzöge aus dem Geschlecht der Wettiner. In der Barockzeit ließen sie an der Elbe eine prachtvolle Residenz erstehen. Hierzu benötigten sie die Kunstfertigkeit und den Sachverstand italienischer Künstler.

Dresden ist mit seiner schönen und quirligen Altstadt und den Studenten- und Kneipenvierteln in der Neustadt auf der anderen Elbseite ein attraktives Touristenziel geworden. Neue Architektur lockt neben den Museen zudem kunstinteressierte Besucher an: die Gläserne Manufaktur am Großen Garten oder der Neue Anbau des Militärhistorischen Museums von Daniel Libeskind. Weit entfaltet sich die Stadt entlang der Elbe und zeigt an den Promenaden elbaufwärts ihre schönsten Seiten: in den Villenvierteln von Loschwitz mit den kleinen Weinschenken und dem Weißen Hirsch, dem Viertel, dem Uwe Tellkamp mit seinem Epos „Der Turm“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Von hier oben liegt einem Dresden zu Füßen und entfaltet sich in einem atemberaubenden Panorama von der Sächsischen Schweiz bis hin zu den Meißener Weinbergen.

London – lässige Hauptstadt des Pop und verborgener Eingang zur Zauberwelt

Nicht erst seit „Harry Potter“ und seinem Einstieg in die Zauberwelt im U-Bahn-Station King’s Cross hat London den Ruf einer mit dem Reich der Magie paktierenden Metropole. Nebel und schlechtes Wetter und eine Reihe von weltberühmten Krimi-Autoren wie Arthur Conan Doyle haben ihren Anteil daran, dass man London meist mit düsteren, unheilvollen oder magischen Geschichten und Erzählungen in Verbindung bringt.

Doch eigentlich ist London eine quirlige und bunte Stadt, die Besuchern viele Highlights zu bieten hat. Neben der Touristenattraktion Nummer eins, der Queen, die man aber kaum zu Gesicht bekommt, sind das die Schlösser und Gärten Ihrer Majestät wie Buckingham Palace, Hampton Court oder Whitehall sowie das Londoner Parlament mit der berühmtesten Glocke der Welt: Big Ben. Trafalgar Square, die Mall, Hyde Park und Kensington Garden sind weitere Anziehungspunkte für Reisende aus aller Welt. In Kensington Palace wohnen heute die jüngeren Royals mit ihren beiden kleinen Kindern: Kate, William, George und Charlotte.

Davon ganz abgesehen ist London aber nicht nur die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, sondern auch die Hauptstadt des Pop. Denn die besten und berühmtesten Popmusiker stammen entweder von hier, haben hier ihre Bands gegründet oder ihre ersten Platten aufgenommen. Beispiele gefällig? Kein Problem: The Beatles, The Rolling Stones, The Police, David Bowie, Eric Clapton, Pink Floyd und Queen, um nur ein paar der prominentesten Namen zu nennen. Die durch die Beatles berühmt gewordenen Abbey Road Studios gehörten seinerzeit dem Plattenkonzern EMI. Heute zählen sie zu den edelsten Tonstudios der Welt. Hier nahm auf, was Rang und Namen hat und auch berühmte Filmmusiken sind hier entstanden, etwa die Titelmelodien einiger James-Bond-Filme.

Weitere Tipps: Portobello Market oder Savile Row – hippe Kleidung, vielfach auch Vintage, oder gleich zum Maßschneider, wo auch der Sultan von Brunei schneidern lässt? An beiden Orten geht es jedenfalls um Klamotten und Kleidung. Klar, London ist die Stadt der Finanzen, da braucht es gute Maßschneider. Bekannte Highlights von London sind das London Eye, die Tower Bridge und der Tower – und mit der U-Bahn sollte man auch unbedingt fahren.

Gastronomisch lässt die englische Küche mittlerweile nichts mehr zu wünschen übrig – wenn man nicht in einem Fastfood-Lokal oder einer Kette absteigt. Unkompliziert und fantastisch gut kann man übrigens in den Restaurants und Cafés der großen Museen essen: Zum Lunch oder Afternoon Tea in der National Gallery am Trafalgar Square oder im Victoria and Albert Museum – das hat was. Und in bester angelsächsischer Tradition gilt in beiden Museen: Eintritt ist frei, Admission is free!

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