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Prato: Die Provinzhauptstadt lockt mit Geschichte und Tradition

Kaum jemand verliert nicht sein Herz an die Toskana mit seinen an kurvige Straßen geschmiegte Zypressen und dem süßen Duft des ewigen Sommers. Städte wie Siena, Volterra oder San Gimignano sind beliebte Reiseziele und angesichts der geschichtsträchtigen engen Gassen und Geschichte satt ist das nicht verwunderlich. Manchmal bleibt die Großstadt Prato, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mitten in der Toskana, im Schatten ihrer bekannteren Schwestern, aber das ist sie zu Unrecht. Der satte Lorbeer und das königliche Wappen verraten die stolzen Bewohner Pratos. Sie heißen übrigens Pratesi und zeigen ihre traditionsreiche Liebe zu der Stadt nur zu gerne den zahlreichen Touristen, die besonders im Sommer anreisen. Prato liegt nur 20 Kilometer von der Stadt der berühmt berüchtigten Medici, Florenz, entfernt. Interessantes Detail am Rande: Erst 1992 wurde die Provinz Prato gegründet und bietet auf knapp 365 Quadratkilometer für rund 300.000 Bewohner Platz. Davor gehörte sie zu Florenz.

Auf den ersten Blick wirkt Prato auf viele, die die Stadt zum ersten Mal besuchen, wie eine Industriestadt. Natürlich lässt sich dieser Eindruck durch die zahlreichen Fabriken rund um die Herstellung von Textilien nicht verleugnen. Prato setzt auf qualitativ hochwertige Bekleidung, nicht auf billig produzierte Ware. Aber bald erliegt man dem Charme vergangenen Zeiten. Bestechend schöne Bauten aus dem Mittelalter und der Renaissance lassen an Geschichte interessierte Besucher keine Wünsche offen.

Prato: Geschichte und Tradition gehen hier Hand in Hand!

Prato lockt mit seinen eindrucksvollen historisch bedeutenden Gebäuden, die auch heute noch bemerkenswerte Einblicke in die vergangene Zeit bringen und touristisch wie historisch interessant sind. Besonders das kaiserliche Kastell von Prato und der Dom bringen die faszinierende Vergangenheit Pratos zum Leuchten. Die Stadt wurde bereits im 10. Jahrhundert erstmals in Urkunden benannt und machte sich vor allem als Wollzentrum einen Namen. Die Stadt und seine Umgebung wurden für Bewohner aus ganz Italien, insbesondere aus dem Süden, interessant für Einwanderer. Schwerpunkt in der Industrie war besonders seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Stoffherstellung, was sich auch im sprunghaften Anstieg der Pratesi verdeutlichte. Rund 160.000 Menschen wohnten zu dieser Zeit in Prato. In den späten 80er Jahren zogen vor allem chinesische Staatsbürger nach Prato, der Hochburg für Bekleidung. Ursprünglich wurde die Stadt vermutlich von den Etruskern besiedelt. Auffallend ist die mittelalterliche Form des historischen Zentrums. Es ist in einem unregelmäßigen Sechseck aufgebaut. Das Kastell suchte zu seiner Zeit in ganz Nord- und Mittelitalien vergeblich ein Gegenstück, so prachtvoll ist es gebaut.

Geld regiert die Welt – auch in Prato galten diese Gesetze!

Einer der bekanntesten und wichtigsten Söhne Pratos war Francesco Datini. Der Wollproduzent erschuf bereits 1410 ein Kaufmannsarchiv, das im Spätmittelalter zu Recht das größte Archiv war. Anders als andere Städte in Italien setzt Prato schon seit einigen Jahren auf eine praktische und verkaufsfördernde Fußgängerzone. So befindet sich das gesamte historische Zentrum der Stadt im Bereich einer umfangreichen Fußgängerzone, was das Erkunden der historischen Denkmäler für Besucher aus der ganzen Welt besonders attraktiv macht. Gemäß der früheren Tradition gilt Prato auch heute noch als Hotspot für den Einkauf von exklusiver und modischer Bekleidung.

Dom, Kastell, Lohnenswerte Sehenswürdigkeiten in Prato

Der bereits erwähnte Dom von Prato, seit 1996 unter dem Namen Basilica Minor bekannt, ist dem heiligen Stephanus geweiht und ist die Kathedrale des Bistums Prato. Erbaut wurde er genau an jener Stelle, wo zuvor eine ältere Pfarrkirche gestanden hat. Besonders auffallend ist die Leichtigkeit des Baus. Ein Besuch lohnt sich insbesondere wegen der Freskenzyklen von Filippo Lippi. Eindrucksvoll zeigt sich der Dom auf der Piazza del Duomo und zählt zu den ältesten Kirchen Pratos. Bereits im fünften Jahrhundert dürfte der Dom urkundlich bekannt sein. Besonders sehenswert ist die von Donatello und Michelozzo Bartolomeo 1428 gebaute Außenkanzel der Kirche, die anlässlich des Festtags den Sacra Cintola, Wollgürtel der Mutter Gottes auf diese Weise zu präsentieren.

Das kaiserliche Castello dell`Imperatore wurde im Auftrag des Sizilianischen Königs und Kaisers Frederik II errichtet und nach dessen Tod 1250 gestoppt. Das nahe der Kirche Santa Maria liegende Kastell wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten mit einem Corridore del Cassero, einem überdachten Gang, verbunden. Von den Schlossmauern genießt man einen traumhaften Ausblick über die ganze Stadt.

Die Kirche Santa Maria delle Carceri auf der gleichnamigen Piazza Santa Maria delle Carceri zählt zu den Meisterwerken von Guiliano da Sangallo. Er erhielt von keinem Geringeren als Lorenzo de Medici den Auftrag, eine Kirche zu errichten. Inspirieren ließ sich Da Sangello dabei von den Entwürfen von Filippo Brunelleschi, dem Erbauer der weltweit bekannten Kuppel von Florenz. Die Kirche Santa Maria delle Carceri entstand bereits in der Frührenaissance und ist seit 1939 eine Basilica minor. Ihr Name leitet sich von carceri ab, da hier ehemals die Kerker zu finden waren. Wunderschön ist die in weißen und grünen Querstreifen gehaltene Marmorfassade der Kirche San Francesco, die durch ihre Einfachheit und vor allem ihre eindrucksvolle Höhe besticht.´

Prato

Prato ©iStockphoto/LuisPortugal

Bemerkenswert bei vielen Gebäuden, die im Mittelalter errichtet wurden, ist die Verwendung von verschiedenfarbigen Marmorarten. Auch in Florenz findet man eine ähnliche Vorgehensweise. Verwendet wurden vor allem grüner Serpentino aus Monteferrato sowie weißen Alberese.

Der Palazzo Pretorio ist das alte Rathaus von Prato und beherbergt das Textilmuseum, das interessante Einblicke in die Geschichte der Textilhochburg Prato liefert. Errichtet wurde der Palazzo im 14. Jahrhundert. Ebenfalls ein lohnendes Fotomotiv ist die Brücke über den Fluss Bisenzio. Auch die Santa Maria della Pietá, Santa Christina a Pimonte oder die Santa Maria del Soccorso sind einen Besuch wert.

Palazzo und Kirchen zeugen von reichhaltiger Geschichte und Tradition

Wer sich für die Bauweise und Historie der wunderschönen Palazzi interessiert, sollte unbedingt dem Palazzo Datini, Palazzo Pretorio und dem Palazzo degli Alberti abstatten. Etwas außerhalb von Prato wartet für Medici-Fans ein besonderes Highlight: Die Medici-Villa von Poggia auf Caiano.

Heute profitiert die Wirtschaft Pratos auch durch die Zehntausende von Chinesen, die illegal nach Italien einreisen. Die Schwarzarbeit floriert hier. Besonders in der Textilindustrie zeigt sich ein brutaler Wettkampf. Einheimische Stofffabriken konnten sich nicht auf dem Markt halten und mussten den Chinesen Platz machen.

Wer also eine verführerische Reise durch die Vergangenheit einer florierenden Textilhochburg machen will, wird in Prato viele schöne Momente erleben und sich fragen, warum er die Stadt nicht schon früher besucht hat.

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