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Topografie der Türkei

Gerade wer seinen Urlaub eher an der türkischen Südküste verbringt mag kaum glauben, dass die Türkei ein von Vulkanismus geprägtes Land ist. Bis heute gibt es immer wieder Erdbeben, die sich von östlicher in westliche Richtung fortsetzen und auch die vielen erloschenen oder schlafenden Vulkane zeugen von einer bewegten geografischen Geschichte. Topografisch kann man die Türkei gut anhand der offiziellen sieben Regionen charakterisieren. Vor allem Hochebenen, Hügelland und Gebirgszüge prägen das Land auf unterschiedlichste Weise. Der europäische Teil der Türkei, Thrakien, besteht beispielsweise fast vollständig aus einer Hochebene. Um den Bosporus, die Meerenge zwischen Schwarzem Meer und Marmarameer, herum wird die Gegend hügeliger und waldreicher. Je weiter man sich in Richtung Osten bewegt, umso steppenähnlicher wird die Landschaft. In südlicher Richtung in der Provinz Bursa findet man den Uludag. Der 2543 Meter hohe Berg war den Griechen als der „bithynische Olymp“ bekannt. Heute kennt ihn jeder Istanbuler als das am nächsten gelegene Skigebiet.

Die Ägäis erinnert topografisch sehr an das benachbarte Griechenland: auf stark hügeligem Terrain wechseln sich Wein, Zypressen und Ölbäume ab. Anders sieht das schon in der touristisch ebenfalls sehr gut erschlossenen Mittelmeerregion aus: die Tiefebene wird im Norden vom über 3000 Meter hohen Taurusgebirge und im Osten vom Amanosgebirge (auch: Nurgebirge) begrenzt und von ihnen vor Wettereinflüssen aus Zentralanatolien geschützt.

Die Schwarzmeerküste ist wilder und ursprünglicher als die türkische Mittelmeerküste und erinnert eher an einen Zypern Urlaub. Hier findet man sehr fruchtbare Böden, ausgedehnte Wälder und neben dem Schwarzen Meer auch das Ostpontische Gebirge als Teil des Pontus-Gebirges. Bei westlichen Touristen ist das bis zu 4000 Meter hohe Gebirge weitgehend unbekannt – dafür wird es umso exzessiver von Einheimischen und türkischen Touristen als Skigebiet genutzt.

Topografie der Türkei

Topografie der Türkei ©iStockphoto/WitR

Topografisch besonders interessant ist die Region Zentralanatolien. Ausgedehnte Hochebenen findet man hier genauso wie Gebirgsketten, die bis zu 3900 Meter in die Höhe ragen. Weite Teile der Ebenen sind steppig und trocken – in der Gegend um den Tuz Gölü, einem Salzsee, ist die Landschaft sogar wüstenähnlich. Im Osten von Zentralanatolien liegt Kappadokien, jene Region, die neben Felshöhlen und frühchristlichen Höhlenkirchen vor allem durch ihre bizarren Felsformationen fasziniert. Kappadokien ist übrigens vulkanischen Ursprungs: die berühmten Tuffsteinlandschaften bei Göreme entstanden aufgrund eines Ausbruchs des nahe gelegenen Vulkans Erciyes Dagi, dem mit 3917 Metern fünfthöchsten Berg der Türkei. Und wie sollte es anders sein: auch der Erciyes wird als Skigebiet hoch geschätzt.

Südostanatolien wird vom Taurusgebirge umschlossen. Das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris weist sowohl Gebirgsverläufe als auch ein eher steppiges Hochplateau auf. In Ostanatolien, nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran, liegt der höchste türkische Berg, der Ararat, inmitten des Ararathochlandes. Der Große Ararat ist 5165 Meter hoch, sein „kleiner“ Nachbar, der Kleine Ararat, bringt es immerhin noch auf stolze 3896 Meter. Der ganz in der Nähe gelegene erloschene Vulkan Nemrut versperrt den Abfluss des größten Sees der Türkei, des Vansees. Er ist mehr als sieben Mal so groß wie der Bodensee und liegt mehr als 1700 Meter über dem Meeresspiegel. Das ganze Gebiet ist nach wie vor geologisch hoch aktiv. Regelmäßig kommt es zu relativ starken Erdbeben.

7200 km der etwa 9850 km langen türkischen Landesgrenze verlaufen entlang von Meeren. Vor allem im Südwesten und Westen ist die Küste stark untergliedert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich gerade im Westen der Türkei ihre drei größten Inseln befinden: Gökçeada am Eingang der Dardanellen, die Marmara-Insel in der Nähe der Dardanellen und die zur Provinz Çanakkale gehörende Insel Bozcaada. Am bekanntesten von ihnen ist wohl die Marmara-Insel. Ihre Marmorbrüche versorgten seit der Antike den Mittelmeerraum mit weißem Marmor. Das wohl bekannteste Bauwerk aus Marmara-Marmor ist der Pergamonaltar, der zum Teil im Berliner Pergamonmuseum zu sehen ist.

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