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Antike Stätten und Überreste in der Türkei

Sobald man südtürkischen Boden betritt, stolpert man buchstäblich bei jedem zweiten Schritt über antike Stätten und Überreste uralter Siedlungen. Nicht umsonst ist es verboten, selbst kleine Steine aus der Türkei auszuführen – es könnte sich dabei um einen Fund aus der Antike handeln. Gerade der Süden und Südwesten der Türkei ist geradezu übersät von griechischen und römischen Hinterlassenschaften, was nicht weiter verwundert wenn man bedenkt, dass die Griechen und Römer hier über Jahrhunderte Siedlungen und Thermen, Erholungs- und Vergnügungsstätten erbauten. Zu den wichtigsten und interessantesten Ausgrabungsstätten, die in der Ägäisregion derzeit bekannt sind, gehören Troja, Ephesos, Pergamon und Didyma.

Mit Troja, der Stadt unweit der heutigen Stadt Canakkale, verbindet uns Deutsche eine Besonderheit: es war ein Deutscher, Heinrich Schliemann, der nach langen Jahren besessener Suche auf die ersten Überreste der Siedlung stieß, die Homer in seinen Dichtungen besang. Seit mehr als 100 Jahren arbeiten Archäologen nun schon an dieser Ausgrabungsstätte und fördern trotzdem immer Neues zu Tage. Teile der Ausgrabungen können vor Ort besichtigt werden, ein Museum vor der Ausgrabungsstätte soll noch entstehen.

Ephesos, das heute einige Kilometer landeinwärts und südlich von Izmir liegt, war in der Antike eine Hafenstadt von großer Bedeutung. Wichtiger für heutige Archäologen und Historiker jedoch sind die Überlieferungen, dass auch Paulus, Johannes und Maria, die Mutter Jesu, hier gewirkt haben sollen. Allein diese Überlieferungen bewirken, dass jedes Jahr Millionen von Gläubigen nach Ephesos pilgern. Vor allem das Haus, in dem Maria angeblich verstarb, ist eine regelrechte Wallfahrtsstätte geworden. Aber auch für nicht Gläubige Touristen bietet Ephesos allerhand Sehenswertes: die mit Wandmalereien und Mosaiken geschmückten Hanghäuser, zum Beispiel, die überwältigende Celsus-Bibliothek, das Theater oder riesige Brunnenanlagen. Der ehemalige Hafen ist schon lange versandet.

Zeustempel

Zeustempel ©iStockphoto/EVZONI

Das einst bedeutendste Orakel Kleinasiens befand sich in Didyma, ganz in der Nähe von Priene und Milet gelegen. Herzstück von Didyma ist der hellenistische Apollontempel, dessen überwältigende Größe man heute nur noch anhand einiger weniger Säulen und Fragmente erahnen kann. Gut erhalten sind das Medusenhaupt und ein Stadion im Südosten des Tempels.

Auch zum antiken Pergamon haben wir Deutschen eine ganz besondere Verbindung: ein Teil des Pergamon-Altars befindet sich im Pergamon-Museum auf der Berliner Museumsinsel. Pergamon, das heutige Bergama, verfügte über die zweitgrößte Bibliothek der antiken griechischen Welt. Der Legende nach wurde hier auch das Pergament als Ersatz für Papyrus erfunden. Große Teile der Überreste befinden sich heute nicht mehr an der eigentlichen türkischen Ausgrabungsstätte. Besucher erwartet zum Beispiel der Trajan-Tempel oder das Theater mit Blick über die Stadt.

Wie auch die Ägäisregion ist die Mittelmeerregion regelrecht übersät mit sehenswerten antiken Stätten. Zu den bekanntesten zählen Perge, Aspendos und Hierapolis. Sie sollen im Folgenden näher vorgestellt werden.

Die antike und noch relativ gut erhaltene Stadt Perge liegt nur einige Kilometer von Antalya entfernt landeinwärts. Die Anlage aus späthellenistisch-römischer Zeit beherbergte schon Persönlichkeiten wie Paulus oder Barnabas. Von der Akropolis aus, die nach wie vor Grabungsgebiet ist, hat man einen guten Blick über das Stadion, das Theater und die Kolonnaden. Sehenswert sind auch die noch gut erhaltenen Thermen und das Abwassersystem der antiken Stadt.

Das Theater ist wohl der bekannteste Teil des antiken Aspendos. Bis heute wird es für kulturelle Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Konzerte oder Ballette genutzt – selbst die deutsche Sendung „Wetten, dass…?“ wurde hier schon durchgeführt. Neben dem Theater gibt es aber noch mehr zu sehen in der ehemals griechischen Stadt zwischen Antalya und Alanya. Die Markthallen und der ehemalige Stadtbrunnen, das Nymphaion, sind die wohl beeindruckendsten Zeugen der ehemals sehr prächtigen Stadt. Übrigens: Aspendos ist nicht ausgegraben, alle bisherigen Fundstücke entdeckte man oberirdisch.

Die eigentliche Entstehung von Hierapolis zu datieren ist nicht möglich, da ältere Hinweise auf Zivilisation durch dicke Schichten von Travertin, Kalkstein, bedeckt sind. Hierapolis, das ist die antike Stadt oberhalb von Pamukkale, dem „Baumwollschloss“, das alljährlich Tausende von Touristen aus aller Welt anzieht. Unweit der Stadt Denizli gelegen gehört die Stätte eigentlich zur Ägäisregion. Allerdings wird sie so häufig von Antalya aus angefahren, dass wir uns entschlossen haben, sie unter dem Punkt Mittelmeer-Region vorzustellen. Sehr gut erhalten sind das auch heute wieder genutzte Freilichttheater und die Hauptstraße mit Nordtor und Latrinen. Faszinierend ist auch die riesige Nekropole mit Grabmälern aus den verschiedensten Epochen. Archäologische Funde belegen auch, dass schon sehr früh Thermalbäder und Brunnen gebaut worden. Kein Wunder, das Wasser von Pamukkale gilt auch heute als heilkräftig und gesundheitsfördernd.

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